Das kann bei Übersetzungen schieflaufen

Die Kollegin spricht Spanisch und kann mal eben einen Text für die Website übersetzen? Oder Sie geben den Textabschnitt einfach bei Google Translate ein? Beide Methoden sollten, wenn das Ergebnis stimmen soll, kritisch betrachtet werden. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Was unterscheidet Translator*innen von zweisprachigen Personen?

 

Nur weil jemand eine Fremdsprache spricht, kann sie oder er nicht automatisch übersetzen. Denn nur weil ich zehn Finger habe, kann ich auch nicht automatisch Klavierspielen. Mit diesem überspitzten Vergleich möchte ich zeigen, dass es mehr als reine Sprachkompetenz braucht, um Texte zielgerichtet übersetzen oder Gespräche dolmetschen zu können.

 

Peinliche Zwischenfälle ohne Sprachprofis

 

Translator*innen sorgen für professionelle Kommunikation – für den gegenteiligen Fall gibt es zahllose Beispiele. Eines der bekanntesten ist wohl der Besuch des japanischen Premierministers Mori beim US-Präsidenten, Barack Obama. Mori wurde angewiesen, die ersten Sätze des Gesprächs selbst zu führen, danach würden die Dolmetscher*innen übernehmen. Beim Händeschütteln mit Obama soll Mori fragen „How are you?“, woraufhin Obama mit „I am fine, and you?“ antworten und Mori „Me too“ entgegnen soll. Klingt einfach?

 

 

Mori verhaspelte sich allerdings und seine Frage klang eher nach „Who are you?“. Obama war sichtlich verwundert, versuchte aber mit etwas Humor die Situation zu retten „Well, I’m Michelle’s husband, ha-ha…“, woraufhin sich Mori strikt an das Skript hielt und mit „Me too“ antwortete.

 

Fehler, die teuer zu stehen kommen

 

Parker Pens, ein Hersteller von Stiften, warb damit, dass seine Stifte nicht auslaufen: It won’t leak in your pocket and embarrass you. Im Spanischen wurde dieser Werbslogan fälschlicherweise mit „embarazar“ (schwanger werden) übersetzt – das sorgte für einige Lacher.

 

 

Ein weiteres Beispiel ist der Slogan von Braniff Airlines, die mit Ledersitzen warb. Auf Spanisch mit dem Slogan „vuela en cuero“ – prinzipiell ist der Satz richtig und bezieht sich auf die Ausstattung des Flugzeugs mit Ledersitzen, doch leider ist er viel zu nahe am umgangssprachlichen Ausdruck „en cueros“, der „nackt“ bedeutet.

 

 

Diese Anekdoten mögen für ein Schmunzeln sorgen, doch in Wahrheit richten sie tatsächlichen Schaden an: Die Neugestaltung der Kampagne kostet Geld und der Image-Schaden für das Unternehmen hat langfristige Konsequenzen.

 

Mensch gegen Maschine

 

Genauso verhält es sich mit neuronalen Übersetzungstools wie Google Translate, DeepL oder dem Werkzeug der EU, eTranslate. Die Maschine eignet sich, um große Textmengen grob zu übersetzen oder um mehr oder weniger den Sinn eines fremdsprachigen Textes zu verstehen, ohne ihn zu publizieren. Doch verlassen sollte man sich nie auf solche Übersetzungen – sie sind besonders fehleranfällig. Es kann schon passieren, dass Google Translate die Verneinung auslässt und den Sinn eines Satzes ins Gegenteil verkehrt – mit schwerwiegenden Konsequenzen.

 

 

Manchmal sind es aber auch die ganz einfachen Dinge, die menschliche Intelligenz erfordern, wie zum Beispiel die Menüauswahl des eigenen Smartphones. Im Menü einer Handymarke konnte man nämlich ab drei Briefen das Wort vervollständigen lassen. Sie verstehen nicht, was gemeint ist? Dann liegt das wohl daran, dass das englische Wort „letter“ als Brief anstatt als Buchstabe übersetzt wurde. Korrekt ist die Übersetzung, doch verstehen wird sie wohl kaum jemand.

 

In Sprachprofis zu investieren macht sich bezahlt

 

Maschinen können nicht auf den Kontext, kulturelle Besonderheiten, Sprachregister oder Adressaten eingehen – sie können nur imitieren, was sie durch andere Texte „gelernt“ haben. Translatorische Kompetenz erfordert jedoch mehr: Es gilt, die Sprache und Kultur zu kennen, Bedeutung aus dem Kontext zu erschließen und gründliche Recherche zum Fachgebiet zu betreiben. Dann ist das Endprodukt nicht nur verständlich, sondern auch ansprechend – eine Übersetzung, die natürlich klingt.